Franz Schubert

Messe in Es-Dur, D 950



18. November 2007, 17 Uhr
St. Johanniskirche Dannenberg

Die Ausführenden

Dannenberger Kantorei
Korrepetition: Marita Richter
Leipziger Projektorchester
Sopran: Eva Scheider
Alt: Waltraud Heinrich
Tenor: Kai Roterberg
Bass: Klaus Thiem
Einführende Worte: Dr. Hartwig Drude

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Zu Franz Schuberts Es-Dur-Messe

Am 19. November (!)1828 starb einunddreißigjährig Franz Schubert - ein Jahr nach Beethoven, vier Jahre vor Goethe. Felix Mendelssohn-Bartholdy bereitete die erste Wiederaufführung von Bachs Matthäus-Passion vor.
Nur wenige Monate zuvor hatte Schubert die Niederschrift dieser seiner sechsten Messe abgeschlossen, in einer letzten Schaffensphase ohnegleichen zwischen Klaviertrio Es-Dur, letzten Liedern ("Schwanengesang"), drei späten Klaviersonaten und Streichquintett. Diese Messe spiegelt, entstehungsgeschichtlich gesehen, ein neues Zeitalter wieder: nicht mehr ein Fürst oder Kirchenvertreter bestellten die Komposition, sondern ein im Entstehen begriffener „Verein zur Pflege der Kirchenmusik" in einem Wiener Vorort, also ein Zusammenschluß von Kennern, Liebhabern und vermutlich auch Ausführenden. Dies war dem Komponisten in vieler Hinsicht sehr gemäß.

Schubert, von Jugend auf mit kirchenmusikalischen Werken und Traditionen vertraut, entwickelte für seine Messe einen sehr persönlichen Stil. Dieser verbindet den durchgehend chorischen Text- und Klangträger mit einer sinfonischen Orchesteranlage und -besetzung. Auch die fünf Solostimmen treten hier nur im Ensemble, nie einzeln, etwa mit einer Arie, auf. Der Einsatz der Bläser (z. B. der drei Posaunen) weist weit voraus, etwa auf Bruckner. Eine Orgel ist nicht mehr beteiligt, was die Aufführung des Werkes im Konzertsaal erleichtert. Das alles wird hörbar in einer melodisch, vor allem aber harmonisch überreichen Tonsprache (Chromatik, Terzverwandtschaften, Moll-Einfärbungen insbesondere im Bereich der Unterdominante).


Das Werk wurde erstmals fast ein Jahr nach Schuberts Tod uraufgeführt. Später setzten sich Robert Schumann und Johannes Brahms für seine Verbreitung ein. Dennoch gehört es bis heute noch zu den eher weniger bekannten und aufgeführten Werken des frühvollendeten Franz Schubert.


Kyrie

Die dreigliedrige Satzgestalt (a b a´) ist durch die (trinitarisch gedachte) dreimalige Anrufung Gottes vorgegeben. Dies wird durch das Dreiermetrum noch unterstrichen. Dabei gleicht die Anrede der dritten Person der der ersten.
a - Ein gleichsam anklopfendes Motiv eröffnet den dreimaligen Einsatz des Chores, verbunden durch motivverwandte und -fortspinnende Zwischenspiele des Orchesters (Oboe, Klarinette).
b - Die wiederum dreimal ansetzende Anrufung Christi steigert ihre Wirkung und Dringlichkeit durch Akkordwiederholungen (Triolen in den Streichern) und Akkordmodulationen (B-DurC-Dur; c-Moll D-Dur; G-DurD-Dur). Verhaltene Bittrufe, hohe Chorstimmen, abgelöst von den tiefen, führen zurück zum Klopfmotiv des Anfangs.
a´ - Im Schlußteil wird der Kyrie-Ruf wiederholt und um zwei
zusätzliche Anrufungen erweitert, im vierten Anlauf durch eine langgestreckte, immer inständiger werdende Steigerung auf „eleison", im fünften und letzten Teil reich modulierend zum Abschluß hinführend (As-DurCes-DurEs-Duras-mollEs-Dur).





Gloria

Schubert gliedert die Fülle der Lobpreisungen und Anrufungen des Gloria wiederum zu einer Liedform (a b a´) mit einer abschließenden Fuge.
a - Dem a-capella-Einsatz des Chores folgt eine triolisch auffahrende Streicherbewegung. Es geht wieder um den dreieinigen Gott. Chor und Orchester vereinigen sich akkordisch, worauf die Stimmen fugierend weitergeführt und schließlich zum vollen Gesamtklang geführt werden. Dies wiederholt sich auf die Worte „et in terra pax" und weiter auf „laudamus te" und wird gleichsam gerahmt durch eine Wiederholung des Anfangs. Der Satz lebt vom Kontrast zwischen lebhaft aufsteigen Bewegungen im Orchester und den im Sprachrhythmus einprägsam deklamierenden Chorpartien.
b - Den Mittelteil bildet nach den beschreibenden Aussagen über das Lob Gottes ein dunkel gefärbtes, von einem trauermarschartigen Rhythmus begleitetes Bittgebet zum "Agnus Dei" (Lamm Gottes). Es mündet nach wechselnd zweistimmig vorgetragenen Anrufungen ein in ein „miserere nobis", jeweils über einem gehaltenen Ton wunderbar ergreifend moduliert.
a´ - In gedrängter Kürze wiederholt Schubert den Anfangsteil des Gloria.
c - Die Fuge "Cum Sancto Spiritu" schließt das Gloria der Messe glanzvoll ab. Ihr Themenkopf gleicht dem der E-Dur-Fuge im zweiten Teil des „Wohltemperierten Klaviers" von Bach. Schubert führt sie mit kühnen chromatischen Gängen, zum Teil mit Themenumkehrung und mit immer enger geführten Stimmeinsätzen nach einem spannungsvoll retardierenden Zwischenspiel wirkungsvoll zum Ziel.


Credo

Gloria und Credo stellen jeden Komponisten vor die Aufgabe, eine große Textfülle zu bewältigen. Schubert schafft, wie im Gloria-Teil, auch hier Überschaubarkeit und Zusammengehörigkeit durch musikalische Rahmung und Wiederholungen.
a - Mehrfach erklingt, geheimnisvoll vorbereitend und einstimmend, ein Paukenwirbel, ehe der Chor, nur von Pizzicati begleitet, in getragenen Notenwerten seine Botschaft in gleicher musikalischer Gestalt vorträgt: "credo in unum Deum"; „credo in unum Dominum Jesum Christum"; „et ex Patre natum"; „qui propter nos homines".
b - Im Mittelteil bindet Schubert die beiden zentralen Aussagen des christlichen Glaubensbekenntnisses: „et incarnatus est" und „crucifixus" (As-Dur; as-moll) eng aneinander. Außerdem wiederholt er beide in gedrängter Form. Es gelingt ihm, das ungemein melodiöse, wiegenliedähnliche Siziliano (Hirtenmusik) des Solistenquartetts „Et incarnatus est" wie auch das beklemmend düstere „Crucifixus" des Chors im gleichen 12/8-Takt darzustellen. Dabei wird der Chor bis zur Sechsstimmigkeit aufgefächert.
a´ - Aufs Neue erklingt vor dem „et resurrexit" der Paukenwirbel, mit dem der Komponist musikalisch zum Anfang des Credos - Schöpfung und Auferweckung gehören hier zusammen - zurücklenkt, zugleich aber mit dem Bekenntnis "credo in Spiritum Sanctum" fortführt. Hier tritt nun zu den begleitenden Akkorden eine singende, sozusagen „belebte" bzw „belebende" („et vivificantem") Oboenmelodie hinzu.
c - Das musikalische Element des Paukenwirbels, gleichermaßen gliedernd wie verbindend, leitet schließlich über zur abschließenden Fuge „et vitam venturi saeculi". Sie ist in ihrer Chromatik und ihren immer enger geführten Stimmeinsätzen der Gloria-Schluß-Fuge nahe verwandt.

Sanctus

a - Wieder verdeutlichen triolisch aufsteigende Streicherbewegungen den Lobgesang auf den dreieinigen Gott. Kühne Akkord-Rückungen (Es-Durces-mollg-mollEs-DurB-Dur) geben dem Erschauern vor der Majestät Gottes Ausdruck, wie es die dem „Sanctus" zugrundeliegende Vision des Propheten Jesaja kennzeichnet.
b - Eine kurze „Osanna"-Fuge, der Tradition folgend, nimmt den Jubelruf derer auf, die den Einzug des Gottessohns in Jerusalem begrüßen.
c - Solistenquartett und Chor führen diesen Begrüßungsgesang, wunderbar ineinandergreifend, im „Benedictus" (in der Unterquinttonart As-Dur) mit edelster Melodieführung und reich blühender Harmonik fort. Dabei setzen die Chorstimmen fortschreitend von unten nach oben um je einen Ton höher ein.
b - Dem liturgischen Kanon folgend wird das „Osanna" wiederholt.

1
Agnus Dei

a - Mit dem „Agnus Dei" setzt Schubert nochmals einen ganz persönlichen Akzent: eine von vielen Kennern als musikalisches „Kreuz"-Motiv betrachtete Tonfolge (c-h-es-d), eröffnet den in dunklem c-moll gehaltenen Bittgesang, vom Chorbass begonnen und von Fagott, Posaunen, Hörnern und von synkopisierten Figuren der tiefen Streicher begleitet. Eine zweite Chorstimme tritt zu dem alle Stimmen durchziehenden Motiv hinzu, wie der stets wiederkehrende Begleiter in einem kontrapunktisch strengen Satz. Dies gibt dem Satz den Charakter des Unausweichlichen, aber auch des immer wieder inständig Andringenden. Erst das nach B-Dur modulierende „miserere nobis" wendet die Musik ins Tröstliche.
Dreimal wird dies durchgeführt, bis sich beim dritten Anlauf
b - die Musik aufhellt zur Schlussbitte „dona nobis pacem". Sie wird vom Chor intoniert, begleitet von Streichern. Hörner geben ein Echo. Die melodisch-harmonisch einfache, gerade so aber ungemein anrührende Wendung wird von Mal zu Mal variiert.
c - Ein neuer musikalischer Gedanke tritt hinzu, wiederum vom Chorbaß angestimmt: fallende Dreiklangsmotive flehen gleichsam den Frieden von oben herab. Dann mischt sich nochmals das Solistenensemble ein, lebhaft konzertierend mit Chor und Orchester.
a´- Wie um den Adressaten der Friedensbitte in Erinnerung zu rufen, wiederholt Schubert nochmals den Anfang des „Agnus Dei", um sodann
b- das ganze Werk mit der ergreifenden Friedensbitte abzuschließen.
Dr. Hartwig Drude

Wir danken den Förderern der Aufführung:

Landeskirche Hannover
Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg
Kirchengemeinde Dannenberg
Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg
Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg
Kalandstiftung, Lüchow
Rolf-Jürgen und Monika Korte, Hamburg



Die Dirigentin - Schubert, Messe in *Es*
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