Abschlußkonzert in Dannenberg

Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 20.12.2011

Autor: Thomas Janssen

Mehrfach ungewöhnlich

Eigenwilliges Programm zum Thema Weihnachtsfreude: Evelyn Hartmanns Abschiedskonzert


tj Dannenberg. »Freut euch»: Wenn diese Worte in der Weihnachtszeit zu hören sind, dann scheint auf den ersten Blick klar, was gemeint ist: festlicher Jubel. In der Musik stehen das Bachsche Weihnachtsoratorium und die bekannten Lieder dafür.

Doch das weihnachtliche »Freut euch» kennt viele Nuancen, auch in der Musik haben diese ihren Niederschlag gefunden. Drei Kompositionen, die das deutlich machen, standen am Sonntag auf dem Programm des weihnachtlichen Konzerts der Dannenberger Kantorei - das zugleich Abschiedskonzert von Kantorin Evelyn Hartmann war.

Mit der Kombination je eines Werkes von Heinrich Schütz, Hugo Distler und John Rutter bot eine ungewöhnliche Musikerin unter dem Motto »Freut euch» noch einmal ein eigenwilliges Programm. Die abschlie-ßenden Standing Ovations in der St.-Johannis-Kirche der Jeetzelstadt galten der Persönlichkeit der scheidenden Kantorin mindestens ebenso sehr wie der erklungenen Musik.

Mit Hugo Distlers »Weihnachtsgeschichte» stand ein Werk im Zentrum, dass sich seines Themas auf mehrfach ungewöhnliche Weise annimmt: Grundlegend ist eine zurückhaltender Gestus, die Freude wird in Distlers Werk als eine leise begriffen. Dominierend - und damit die Proportionen etwa des Bachschen Weihnachtsoratoriums umkehrend - ist ein rezitativisch angelegter, karg in gregorianische Welten spielender Tenorpart, den Gastsolist Simon Kannenberg feinfühlig-entspannt gestaltete. Im epischen Fluss dieses Lang-Rezitativs setzten der aus Mitgliedern der Dannenberger Kantorei bestehende Projektchor canticum novum sowie Solisten aus seinen Reihen dramatische Akzente - zurückhaltend, fein nuanciert, schlank und klar im Klang, die komplexe Textur der tonalen, aber voll harmonischer Kühnheiten und Verfremdungen steckenden Musik transparent machend. Evelyn Hartmanns Dirigat ließ den Wechselfällen der Musik Raum und sorgte zugleich für Stringenz.

Neben dem Eingangs- und dem Schlusschor sind es vor allem die eingeflochtenen, von Distler in je unterschiedlichen Arten zu einer Art moderner Motetten verfremdeten sieben Strophen des Weihnachtsliedes »Es ist ein Ros» entsprungen», in denen der Chor die Weihnachtsgeschichte zum Leuchten bringt. Das geschieht teils - das Werk entstand in den 1930er-Jahren - ex negativo: Im Eingangschor etwa wird die Weihnachtsbotschaft zu einem »groß Licht» für die, »die da wohnen im finstern Lande».

Im zentralen Magnificat überlagern sich bei Distler solistisches Rezitativ (Catharina Voss) und Chorpart auf einprägsame Weie. Das Gebet Marias eröffnete auch in einer Vertonung von Heinrich Schütz das Programm. Sie ist Distlers Werk in der motettischen Anlage und den Gefühlswerten nahe, führt zugleich in die Zeit der Entstehung von »Es ist ein Ros» entsprungen». Die Dannenberger Kantorei sang das Werk mit einem trotz der großen Besetzung schlanken Tonfall, brachte die Affekte zur Geltung, ließ aber keine Übertreibungen zu. Mit John Rutters »Gloria» wechselte das Programm zum Abschluss in die Musik der (Fast)-Gegenwart. Das Stück, in dem die Kantorei von zwei Schlagwerkern (Judith Kokemohr, David Orthey) und der Pianistin Hyeyeon Kim begleitet wurde, geriet zu dem, was es dann auch ist: eine furiose, auf Gefühlsüberschwang und Pathos zielende Musik des ungebremsten Jubels, und es stand damit in scharfem Kontrast zum Vorangegangenen.

Bild: tj Dannenberg. "Freut euch": Wenn diese Worte in der Weihnachtszeit zu hören sind, dann scheint auf den ersten Blick klar, was gemeint ist: festlicher Jubel. In der Musik stehen das Bachsche Weihnachtsoratorium und die bekannten Lieder dafür. Doch das weihnachtliche "Freut euch" kennt viele Nuancen, auch in der Musik haben diese ihren Niederschlag gefunden. Drei Kompositionen, die das deutlich machen, standen am Sonntag auf dem Programm des weihnachtlichen Konzerts der Dannenberger Kantorei - das zugleich Abschiedskonzert von Kantorin Evelyn Hartmann war. Mit der Kombination je eines Werkes von Heinrich Schütz, Hugo Distler und John Rutter bot eine ungewöhnliche Musikerin unter dem Motto "Freut euch" noch einmal ein eigenwilliges Programm. Die abschlie-ßenden Standing Ovations in der St.-Johannis-Kirche der Jeetzelstadt galten der Persönlichkeit der scheidenden Kantorin mindestens ebenso sehr wie der erklungenen Musik. Mit Hugo Distlers "Weihnachtsgeschichte" stand ein Werk im Zentrum, dass sich seines Themas auf mehrfach ungewöhnliche Weise annimmt: Grundlegend ist eine zurückhaltender Gestus, die Freude wird in Distlers Werk als eine leise begriffen. Dominierend - und damit die Proportionen etwa des Bachschen Weihnachtsoratoriums umkehrend - ist ein rezitativisch angelegter, karg in gregorianische Welten spielender Tenorpart, den Gastsolist Simon Kannenberg feinfühlig-entspannt gestaltete. Im epischen Fluss dieses Lang-Rezitativs setzten der aus Mitgliedern der Dannenberger Kantorei bestehende Projektchor canticum novum sowie Solisten aus seinen Reihen dramatische Akzente - zurückhaltend, fein nuanciert, schlank und klar im Klang, die komplexe Textur der tonalen, aber voll harmonischer Kühnheiten und Verfremdungen steckenden Musik transparent machend. Evelyn Hartmanns Dirigat ließ den Wechselfällen der Musik Raum und sorgte zugleich für Stringenz. Neben dem Eingangs- und dem Schlusschor sind es vor allem die eingeflochtenen, von Distler in je unterschiedlichen Arten zu einer Art moderner Motetten verfremdeten sieben Strophen des Weihnachtsliedes "Es ist ein Ros" entsprungen", in denen der Chor die Weihnachtsgeschichte zum Leuchten bringt. Das geschieht teils - das Werk entstand in den 1930er-Jahren - ex negativo: Im Eingangschor etwa wird die Weihnachtsbotschaft zu einem "groß Licht" für die, "die da wohnen im finstern Lande". Im zentralen Magnificat überlagern sich bei Distler solistisches Rezitativ (Catharina Voss) und Chorpart auf einprägsame Weie. Das Gebet Marias eröffnete auch in einer Vertonung von Heinrich Schütz das Programm. Sie ist Distlers Werk in der motettischen Anlage und den Gefühlswerten nahe, führt zugleich in die Zeit der Entstehung von "Es ist ein Ros" entsprungen". Die Dannenberger Kantorei sang das Werk mit einem trotz der großen Besetzung schlanken Tonfall, brachte die Affekte zur Geltung, ließ aber keine Übertreibungen zu. Mit John Rutters "Gloria" wechselte das Programm zum Abschluss in die Musik der (Fast)-Gegenwart. Das Stück, in dem die Kantorei von zwei Schlagwerkern (Judith Kokemohr, David Orthey) und der Pianistin Hyeyeon Kim begleitet wurde, geriet zu dem, was es dann auch ist: eine furiose, auf Gefühlsüberschwang und Pathos zielende Musik des ungebremsten Jubels, und es stand damit in scharfem Kontrast zum Vorangegangenen.

Die Kantorin
<table><tr><td> <h1>Zusammenfassung: Dannenberg ! Kantorei ()</h1> <h3></h3> <p>Evelyn Hartmann - Dirigentin, Dozentin, Kantorin</p> <br> <a href="http://www.immo-la.de/Impressum/impressum.php"> &amp; </a><br>